Donnerstag, 29. Dezember 2011

Kaohsing - verrücktes Essen, Stundenhotels, Affen und ein bisschen "B-Club"

Unsere weitere Reise ab Hong Kong verlief durchaus gut. Sowohl die Einreise als auch das erneute Einchecken funktionierte tadellos - auch für die beiden Helden mit ihrem vorläufigen Reisepass. Alex, Sophia und Moe, die vor uns angereist waren, haben uns bereits am Ausgang mit einer frischen Kanne Bier begrüßt. Alles lief perfekt.

Nach der Ausreise aus Hong Kong und beim Warten auf den Weiterflug nach Kaohsiung kam erste Müdigkeit auf. Gruppe 1 war bereits länger als 24h unterwegs gewesen und auch wir waren nach einem schweren Abendessen ziemlich hinüber. Das sollte sich aber sehr schnell ändern, denn nach einem 1Std. 20min Flug standen Timmi und Susi wirklich am Flughafen, um uns abzuholen. Die Aufregung und gleichzeitige Erleichterung, das Ziel erreicht zu haben, stiegen rasant an. Und nachdem Alex frisches Bier organisiert hatte, ging es mit dem Taxi ca. 30min in die Innenstadt. Dort erreichten wir das Motel, in dem ein Teil von uns nächtigen sollte, da in Tims Bude nicht genügend Platz für alle war. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein normales Motel. Anders gesagt: das Personal war etwas überrascht, dass wir anstatt 3 insgesamt 96 Stunden hier verbringen wollten. Allgemein sind die Zimmer auch eher auf Zweisamkeit ausgelegt mit Whirlpool, Dampfbad-Dusche oder Massage-Stuhl. Aber Tim schwor darauf hier gut und günstig wegzukommen und alles halb so schlimm sei - und das kann ich nach 2 Tagen hier bestätigen. Plane, Ash, Moni und ich wohnen hier in 2 Zimmern und sind sehr zufrieden. Ein weitere Vorteil ist, dass Tims Wohnung von hier zu Fuß zu erreichen ist. 

Nach dem amüsanten Check-In war es 1Uhr und die Gruppe steuerte direkt in Tims Stammkneipe ein paar Minuten zu Fuß entfernt. Hier lernten wir sofort Alice, die Besitzerin der Bar, kennen und ca. 3 Gin Tonics später, stand ich bereits hinter der Bar am DJ Pult mit Youtube offen. Nach und nach verliesen alle Taiwanesen die Bar und aus Alices Laden wurde ein taiwanischer B-Club mit Oasis und American Pie - das Übliche eben. Die Party hielt bis in die späten Morgenstunden und die Ankunft war damit mehr als besiegelt worden.

Nach einer Mütze Schlaf am nächsten Tag lernten wir die Stadt besser kennen. Wir fuhren an den Hafen, um mit der Fähre auf einen anderen Inselteil zu gelangen. Dort besuchten wir einen taiwanesischen Markt und aßen uns über Scampis, Wachteleier hin zu den Muscheln und Tintenfischen. Natürlich alles an der Straße und frittiert. Um voranzukommen hatten wir uns Fahrräder und Tandems ausgeliehen. Im Anschluss besuchten wir den Affenberg in Kaohsiung, ein Urwald am Berg gelegen, in dem es freie Affen gibt. Und der Erste ließ nicht lange auf sich warten - es war ein Riesen Spektakel. Abends ging es dann richtig Chinesisch essen mit 'Hot Pott', was für den einen oder anderen unter uns doch eine kulinarische Herausforderung war. Höhepunkt waren dabei der Schweinemagen.

Nach einem ruhigen Abend sind wir heute früh raus, um in den Süden des Landes zu fahren, ca. 250km. Es war ein toller Tagesausflug, den wir nach der Busfahrt vor allem mit Rollern absolviert haben. Wir besuchten neben dem südlichsten Punkt Taiwans eine schmale Stelle des Landes, an der man sowohl den Pazifik als auch das südchinesische Meer sehen konnte. Nach einem langen Tag im Süden holte uns der Bus abends wieder ab, um uns auf einen Fischmarkt zu fahren. Dort suchten wir uns die verschiedensten Fische und Tiere aus, wie Krabben und Riesen-Scampis, die wir uns für einen geringen Aufpreis neben an in einem Restaurant zubereiten lassen konnten. Ein gigantisches Essen mit frischem Seafood - bisher mein perönliches Highlight in Sachen Essen. Zurück in Kaohsiung wurde die kulinarische Verführung mit gegrillter Schlange gekrönt, die aber den meisten eher den Magen umdrehte als abschloss. 

Was für ein Tag. Diesen beendeten wir traditionell mit Karaoke. In einem Separée in einer Karaokebar schleuderten wir 4Std lang wieder alle B-Club Hits durch die Maschine und auch der Getränkekonsum grenzte an B-Club Niveau - aber es war ein toller Tag mit vielen Erlebnissen und jede Menge Spaß.

Nun ist Halbzeit in Kaohsiung und morgen machen wir erstmal langsamer. Wir haben den Jetlag nur so gut überstanden, weil wir wirklich kaum geschlafen haben bisher. Jedoch fühlen wir uns allgemein doch sehr wohl. Taiwan ist ein wirklich schönes Land und vor allem sind die Leute sehr freundlich und ehrlich, anders als in Bangkok beispielsweise, wo dir die Leute ständig was andrehen und dich übers Ohr hauen wollen. Allgemein sind die Taiwanesen eher schüchtern und sehr korrekt. Ich mag behaupten, dass ich das Land auch aus einem etwas anderen Blick sehen kann - und zwar durch mein Objektiv. Ich bereits über 300 Fotos mit meiner EOS geschossen und man erkennt manche sehr schöne Stellen und Momente, wenn man genauer hinsieht. Die Menschen lächeln stets und freuen sich fotografiert zu werden. Ein sehr angenehmes Gefühl.

Ich bin gespannt wie die Reise weitergeht und hoffe jeden Tag genauso viel zu erleben wie die letzten 48Std.! Aber davon bin ich eigentlich überzeugt.

Auf bald Freunde!

Dienstag, 27. Dezember 2011

Next Stop: Hong Kong - Connections sind alles!

Es ist schon komisch manchmal. Man wartet Monate lang bis es endlich losgeht, macht sich so viele Gedanken, versucht alles soweit wie möglich im Voraus zu planen, um Gefahren und Risiken zu vermeiden. Und dann ist es 24h vor Abflug und es muss doch wieder alles schnell gehen. Gerade in der Weihnachtszeit überlagern viele andere Termine die letzten Vorbereitungen. Und am Ende steht die Statistik: 10 der letzten 72 Stunden sind Schlaf gewesen.
Jede Reise bringt ja seine Herausforderungen und Probleme mit sich, die es letztlich zu meistern gilt. Doch hatte ich nicht damit gerechnet, dass wir schon vor Antritt der Reise mit dem Ersten konfrontiert werden würden: 

Wir schreiben den 25. Dezember 2011 (1. Weihnachtsfeiertag - einen Tag vor Abreise) um ca. 22.45uhr, als ich den Anruf von Cornelius erhalte, der mir zusammengefasst mitteilt:

"Said, ich habe gerade bemerkt, dass mein Reisepass bei Einreise in Taiwan keine 6 Monate mehr gültig ist. Was mach ich denn jetzt, Idee?"

Einen besseren Tip als die Macht google zu fragen hatte ich zu diesem Zeitpunkt auch nicht. Jedoch, beruhigt durch die Unwissenheit, glaubte ich, dass dieses "Problemchen" nicht weiter tragisch sei. Doch nach einigen Nachforschungen, einem Anruf auf der Notfallnummer im deutschen Konsulat in Taipeh und 2 Bierchen wurde klar: das wird so nichts:

"Die Behörden sind da sehr penibel. Meistens werden Sie von der Fluggesellschaft zurück nach Hong Kong geflogen. Dort müssen Sie sich im Generalkonsulat anschließend einen vorläufigen Reisepass ausstellen lassen. Dies ist aber nur nach Bevollmächtigung der zuständigen Heimatbehörde möglich." (Mitarbeiter der Botschaft in Taiwan)

Zu diesen Zeitpunkt war, neben Cornelius, auch Wolfgang aufgefallen, dass er mit 4 Monaten Rest-Gültigkeit keine gute Ausgangssituation hatte. Dazu kam natürlich noch der Hinweis, dass diese Regelung, außer für Taiwan, auch für die Philippinen gilt.
Aber der Schlüssel zur Lösung des Problems war im Zitat des Botschaft-Mitarbeiters versteckt: die Heimatbehörde! Man müsste es nur irgendwie schaffen am 2. Weihnachtsfeiertag jemanden von der Behörde zu erreichen, der einen vorläufigen Reisepass ausstellen könnte.

Wie wir es geschafft haben bleibt quasi Geschäftsgeheimniss, aber ca. 10 Stunden später (von 4Uhr morgens aus gerechnet) - nach ein paar Anrufen, Verwandtschaftsbeziehungen und dem Versuch noch biometrische Passbilder selbst zu erstellen - hielten die beiden vor dem Rathaus der Heimatbehörde deutlich erleichtert ihren vorläufigen Reisepass in Händen. Thema erledigt, Haken gesetzt. Ab geht's! Die Reise konnte beginnen.


Noch kurz den Stau auf der A9 umfahren, hatten wir einen entspannten Check-In und eine bayrische Henkersmahlzeit im Airbräu, bevor es dann hieß: "Next Stop: Hong Kong". Die letzte Machine, die aus München startet, war unsere. 

Jetzt sitzen wir seit 7,5 Stunden im Flieger, es ist 5.30Uhr deutscher Zeit. Im Flugzeug ist es stockdunkel, alle schlafen. Draußen ist Tag, geschätzt Mittagszeit. Ich bin gespannt, ob wir sofort den anderen Teil der Gruppe finden. Wir sind bis Hong Kong getrennt gereist, um einen günstigeren Flugpreis zu ergattern. Alex, Sophia und Moe waren bereits um 14Uhr deutscher Zeit gestartet und reisen Hong Kong über Frankfurt an. Von dort aus geht es 4 Stunden nach unserer Ankunft weiter nach Taiwan. Wir werden sehen, wie es weitergeht und ob uns Tim alias "Pummelchen" in Kaohsiung auch wirklich von Flughafen abholt.